In die Integrationsdebatte fallen immer wieder neue Begriffe ein, die zweitweise die Diskussion zu bestimmen scheinen, dann aber nach einer gewissen Zeit in den Hades der verbrauchten Begriffe Eingang finden. Manche Begriffe scheint man aber nicht loswerden zu können. Immer dann, wenn man glaubt, sie wären wegen ihrer Inhaltsleere aus der Diskussion verschwunden, kommen sie unter einem anderen Gewand wieder zum Vorschein. Die Vorstellung von einer „Leitkultur“ ist solch ein Begriff. Das neue Gewand heute: der „tatsächliche Wertekonsens“. Dieser Begriff taucht mittlerweile immer häufiger im Sprachgebrauch konservativer Politiker auf. Besonders als Abgrenzungskriterium gegenüber gesellschaftlichen Neuentwicklungen wird von ihm rege Gebrauch gemacht.

Was bedeutet nun der Begriff des „tatsächlichen Wertekonsenses“? Gerade in Bezug auf die deutsche Gesellschaft, die vielfältig und vielschichtig ist und auf Heterogenität und Differenz beruht, bedarf diese Frage einer Antwort. Welchen tatsächlichen Wertekonsens hat eine Gesellschaft, deren Individuen sich konservativ, liberal, sozial-demokratisch, links, apolitisch, religiös, protestantisch, katholisch, jüdisch, muslimisch, atheistisch und vieles andere noch nennen? Kann es neben den normativen Werten des Grundgesetzes einen tatsächlichen Wertekonsens in der Gesellschaft geben? Wird damit nicht eine Homogenität konstruiert, die in dieser, unseren Gesellschaft aufgrund ihrer pluralen Ausrichtung gerade nicht vorhanden ist und sein kann? Weiterlesen

Einleitung

Die Themen Sicherheit und Terrorismusprävention stellen heute immer noch Hauptpfeiler im Umgang mit den Muslimen und dem Islam in Deutschland dar. Ausgehend von den Terroranschlägen wie dem 11. September oder die Londoner und Madrider Anschläge, aber auch der Gott sei Dank missglückten wie den Kofferbombern,  wird auf die Ängste in der Bevölkerung verwiesen und die Notwendigkeit, dem Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung gerecht zu werden, hervorgehoben. Als Orientierungspunkte für dieses gesellschaftliche Unsicherheitsempfinden dienen dabei die von  Sicherheitsbehörden aufgestellten konkreten oder abstrakten Bedrohungsszenarien.

Zunehmend wird diese Arbeit nicht einfach nur unter dem Sicherheitsaspekt, sondern immer mehr unter dem Vorzeichen der Integration geführt. Insbesondere von Organisationen wird das nahtlose Einfügen in Sicherheitskonzepte als Voraussetzung der Integration der Organisation und ihrer Mitglieder angesehen. Davon sind insbesondere islamische Religionsgemeinschaften betroffen.
Weiterlesen