Durch die muslimische Community in den USA scheint aktuell gerade ein Hurrikan durch zu fahren (für einen ersten Überblick siehe hier: Navigating the Nouman Ali Khan scandal). Hier bekommt man von der ganzen Debatte zwar nur Bruchstücke mit, aber der gesamte Diskurs ist schon faszinierend.

Dabei geht es mir gar nicht darum, wer Recht haben könnte. Einfach zu sehen, welche Mechanismen in den Anfeindungen greifen, wie teilweise “hochgebildete” Menschen sich in niedersten Verunglimpfungen (auf beiden Seiten) ergehen, und inbesondere aus rechtlicher Perspektive mir noch immer nicht klar ist, was da überhaupt passiert sein soll, das ist alles auf seine ganz eigene Art und Weise wiederum schon faszinierend.

Dass öffentliche Personen mehr zu berücksichtigen haben als das Strafrecht und auch eine moralisch-gesellschaftliche Verantwortung haben, die insbesondere auch gespeist wird von ihren Aussagen stelle ich nicht in Frage. Mich hat aber die Art und Weise der Diskussion irritiert.

Ein Einzelner oder eine Gruppe von Selbstberufenen schaltet sich, wahrscheinlich unter der Zusage der Vertraulichkeit, in einen Streit zwischen erwachsenen Personen ein, von denen einem eine öffentliche Relevanz zugemessen wird. Der Mediator oder die Mediatoren fällen in diesem Zusammenhang ein Urteil (nach welchen Kriterien, ausgehend wovon, mit welcher Legitimität?), das sich irgendwie aber nur an eine Partei richten soll. Nachdem dieser in der subjektiven Wahrnehmung der Mediatoren an der Erfüllung dieses Urteils scheitert, wird er an den öffentlichen Pranger gestellt, alles mit dem Impetus “Wir, die Mediatoren, haben schon alles richtig gemacht, wir sagen Euch nichts näheres, aber ihr müsst uns vertrauen, dass der Typ da böse ist.”

Irritiert nur mich dieses Vorgehen und dass dieses Vorgehen von beiden Seiten offensichtlich als unproblematisch angesehen wird?

Ich denke gerade dieses inner-community-Gemauschel ist überhaupt der Grund für diese kommunikative und mittlerweile auch moralische Krise, in die sich die Brüder und Schwestern in den USA begeben haben. Ich kenne aus eigener Erfahrung keinen Fall einer solchen Problemlösungsvorgehen, in dem die Klärung im vermeintlich inneren Zirkel besonders den Bedürfnissen der Opfer gerecht geworden wäre. Auch hier dürfte gerade das im Zwielicht halten, der Wille zum Halböffentlichen und zur Intransparenz erst die Probleme verstärkt haben. Den Bedürfnissen der Opfer wird dieser Zustand am Wenigsten gerecht werden können. Am Ende landet man nämlich fast immer beim berühmten türkischen “Kol kırılır yen içinde kalır” (Der Arm bricht, aber bleibt im Ärmel). Dass das “inner-community Verfahren” am Ende auch nicht zur Friedenssicherung beiträgt, wird in dem Beispiel hier ja mal wieder deutlich.

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