Ein wichtiger Einwurf von Charlotte Wiedmann zur aktuellen Entwicklung der postkolonialen Kritik:

Gewiss: Menschen mit afrikanischen Wurzeln sollen in der Debatte über Kolonialismus eine vernehmbare Stimme haben. Aber ich halte es im Kampf für eine egalitäre Gesellschaft eher für eine Falle, wenn Hautfarbe zum Gradmesser von Betroffenheit wird und aus der Betroffenheit eine Art Deutungshoheit abgeleitet wird. Niemand repräsentiert heute die einst Kolonisierten. Und ich habe außerhalb des weißen Europas zu viel Rassismus erlebt, um den Ausdruck People of Color für ein Synonym von Nicht-Rassist oder Nicht-Täter halten zu können.

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In die Integrationsdebatte fallen immer wieder neue Begriffe ein, die zweitweise die Diskussion zu bestimmen scheinen, dann aber nach einer gewissen Zeit in den Hades der verbrauchten Begriffe Eingang finden. Manche Begriffe scheint man aber nicht loswerden zu können. Immer dann, wenn man glaubt, sie wären wegen ihrer Inhaltsleere aus der Diskussion verschwunden, kommen sie unter einem anderen Gewand wieder zum Vorschein. Die Vorstellung von einer „Leitkultur“ ist solch ein Begriff. Das neue Gewand heute: der „tatsächliche Wertekonsens“. Dieser Begriff taucht mittlerweile immer häufiger im Sprachgebrauch konservativer Politiker auf. Besonders als Abgrenzungskriterium gegenüber gesellschaftlichen Neuentwicklungen wird von ihm rege Gebrauch gemacht.

Was bedeutet nun der Begriff des „tatsächlichen Wertekonsenses“? Gerade in Bezug auf die deutsche Gesellschaft, die vielfältig und vielschichtig ist und auf Heterogenität und Differenz beruht, bedarf diese Frage einer Antwort. Welchen tatsächlichen Wertekonsens hat eine Gesellschaft, deren Individuen sich konservativ, liberal, sozial-demokratisch, links, apolitisch, religiös, protestantisch, katholisch, jüdisch, muslimisch, atheistisch und vieles andere noch nennen? Kann es neben den normativen Werten des Grundgesetzes einen tatsächlichen Wertekonsens in der Gesellschaft geben? Wird damit nicht eine Homogenität konstruiert, die in dieser, unseren Gesellschaft aufgrund ihrer pluralen Ausrichtung gerade nicht vorhanden ist und sein kann? Weiterlesen

Einleitung

Die Themen Sicherheit und Terrorismusprävention stellen heute immer noch Hauptpfeiler im Umgang mit den Muslimen und dem Islam in Deutschland dar. Ausgehend von den Terroranschlägen wie dem 11. September oder die Londoner und Madrider Anschläge, aber auch der Gott sei Dank missglückten wie den Kofferbombern,  wird auf die Ängste in der Bevölkerung verwiesen und die Notwendigkeit, dem Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung gerecht zu werden, hervorgehoben. Als Orientierungspunkte für dieses gesellschaftliche Unsicherheitsempfinden dienen dabei die von  Sicherheitsbehörden aufgestellten konkreten oder abstrakten Bedrohungsszenarien.

Zunehmend wird diese Arbeit nicht einfach nur unter dem Sicherheitsaspekt, sondern immer mehr unter dem Vorzeichen der Integration geführt. Insbesondere von Organisationen wird das nahtlose Einfügen in Sicherheitskonzepte als Voraussetzung der Integration der Organisation und ihrer Mitglieder angesehen. Davon sind insbesondere islamische Religionsgemeinschaften betroffen.
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Es war eine angespannte Zeit. Oft genug standen sich Mekka und Medina auf dem Schlachtfeld gegenüber. Zuletzt in der Grabenschlacht vor Medina hatte Mekka wieder angegriffen. Aber jetzt hungerte Mekka. Eine Hungersnot hatte ihre Bewohner in ihrem erbarmungslosen Griff. Am heftigsten spürten dies wiederum die Ärmsten, die Schwächsten. Und es kam Hilfe in der Not, Medina hatte Nahrungsmittel aus dem verbündeten Jemen nach Mekka senden lassen; es war der Prophet (as), der es angeordnet hatte. Die Hilfe kam gerade von dem Menschen, den die Mekkaner am meisten anfeindeten, sie kam von dem für sie verhassten Propheten des Islams. Und der Prophet hatte seine helfende Hand zu einer Zeit ausgestreckt, zu der es jedem anderen wohl unmöglich gewesen wäre zu helfen und am wenigsten den Menschen gegenüber, die ihm oft genug nach dem Leben trachteten. Doch für den Propheten waren sie in dem Moment keine Feinde, sondern Notleidende, von Hunger und Entbehrung gemarterte Menschen. Weiterlesen